Call of du-tea

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Marvin Braun
Marvin Braun

Tee nur, wenn’s brennt?

Ich beobachte schon seit ich denken kann, dass, abgesehen vom klassischen Teeliebhaber, jeder nur dann Tee trinkt, wenn es ihm schlecht geht.

Das kenne ich selbst aus vielen Erstberatungsgesprächen mit Neukunden, wenn ich nach der Flüssigkeitszufuhr frage. Sobald ich nach dem Kaffee nach Tee frage, kommt: „Nee, nur, wenn ich mal krank bin.“

Der Hals kratzt, die Nase läuft, die Stimmung sinkt - und plötzlich greifen wir zur Teekanne.

Warum erst jetzt?

Also: Erst, wenn der Körper deutlich zeigt, dass etwas nicht stimmt, greifen wir zum Tee. Der Tee ist DIE Antwort auf Unwohlsein – und dann gleich in Litern.

Doch warum erst jetzt? Wenn du an seine heilende Wirkung glaubst, warum dann erst, wenn du dich schon schlecht fühlst? Oder schmeckt er einfach nicht gut genug, um regelmäßiger einen Platz in deiner Tasse zu finden?

Natürlich denkt man darüber selten bewusst nach. Meist ist man durch sein Umfeld so programmiert. Wenn man Menschen überwiegend bei Krankheit Tee trinken sieht, speichert das Unterbewusstsein genau dieses Muster ab. Man kopiert das Verhalten automatisch – wie ich hier beschrieben habe.

Reaktion statt Prävention

Ich will, dass wir uns dessen einfach bewusster werden. Ich zwinge niemanden zu etwas, weder meine Kunden noch mein Kind – sondern möchte zum Nachdenken anregen. Denn die meisten Lösungen tragen wir ohnehin in uns selbst.

Mir fällt auf, dass sich dieses Muster auch in anderen Lebensbereichen wiederholt. Ob Gelenk-, Rücken- oder Kopfschmerzen, ob Stress oder Erschöpfung – wir reagieren erst, wenn der Drops schon gelutscht ist.

Wenn wir lernen, unseren Körper früher wahrzunehmen und zu verstehen, wie er auf Einflüsse reagiert, könnten wir vieles vermeiden.

Tee als Symbol

Ich glaube nicht, dass Tee zuverlässig Erkältungen verhindert - genauso wenig wie keine Übung jede Verletzung vorbeugen kann. Aber wenn du Tee erst und nur dann trinkst, wenn es dir schlecht geht, spar dir die Mühe. Ok, er wärmt dich vielleicht, aber wenn du an die Wirkung glaubst, warum trinkst du ihn nicht regelmäßiger?

Ich muss dabei immer an einen 90-jährigen Raucher denken, der nach 70 Jahren Schornsteinleben erst bei der Lungenkrebsdiagnose aufhören will.

Heute geht es mir aber nicht um Teekonsum an sich, sondern um die Symbolik dahinter. Klar, bei bestimmten Symptomen oder Krankheiten gibt es auch den passenden Tee, wie beispielsweise Salbei bei Reizhusten oder Halsschmerzen. Aber das gilt nur für „richtigen“ Tee aus Blättern oder Kräutern, nicht für die Beutelware, die eher ein Abfallprodukt ist.

Was wir von anderen Kulturen lernen können

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Wenn man die Brücke zu Selbstbewusstsein, Stress und Achtsamkeit schlägt, lohnt ein Blick auf die Teezeremonie in anderen Kulturen: Dort geht es nicht um schnelle Heilung, sondern um Ruhe, Verbundenheit und Bewusstheit. Das Teetrinken wird als Ritual zelebriert – mit Fokus auf Achtsamkeit, Gastfreundschaft und Harmonie.

Das klingt für mich nach einer schönen Möglichkeit, um bewusster zu leben und zu reflektieren.

Mein Wunsch

Heißt das, ich würde jedem Workaholic oder Ja-Sager eine regelmäßige Teezeremonie verschreiben, um wieder zu sich zu finden?

Natürlich nicht, das wäre ein Allheilmittel, und ich glaube nicht an Allheilmittel.

Genauso wenig glaube ich daran, es für irgendjemanden besser zu wissen. Aber ich glaube, dass jeder seine eigene Position und sein Wohlbefinden verbessern kann, wenn er lernt, nicht einfach so im Alltag zu verschwinden.

Ich wünsche mir eine selbstbewusste, stressarme Gemeinschaft.

Ob mit Tee oder ohne.

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