

Seit rund einem halben Jahr streiche ich das "ich muss" aus meinem Sprachgebrauch. Es sickert mal wieder durch, aber größtenteils ist es weg.
In den letzten 2-3 Monaten falle ich meinen Kunden und Mitmenschen häufiger ins Wort, wenn ich sie eine der "ich muss"-Muster aufzeigen. Ich sage nur ganz kurz: "Du musst gar nichts". Wenn es jemand wünscht, dann führe ich meinen Gedanken aus, wenn nicht, wiederhole ich es, so häufig es mir auffällt. Aber nicht, weil ich möchte, dass sie es wie ich machen und nur mein Weg der einzig wahre ist, sondern damit uns die eigenen Worte und unterbewusste Glaubenssätze bewusster werden.
Ich definiere meinen Beruf so, dass ich Menschen auf meine beste Weise helfe. Und wenn ich glaube erkennen zu können, dass hier jemand sitzt, weil er glaubt zu müssen, dann bringe ich das zum Ausdruck.
Das ganze Müssen scheint ein selbstauferlegter Zwang zu sein. Zuerst sah ich es bei mir, dann bei vielen anderen auch. Wir glauben, dass wir so vieles müssen, weil wir es eben nur so kennen und schon immer so gehört und vorgelebt bekamen, dass es eines Tages gnadenlos in Fleisch und Blut übergeht.
Nur weil ich auf einen Geburtstag eingeladen werde, muss ich da nicht hin. Auch, wenn "man das so macht". Nur weil dein Vorgesetzter, dein Vater oder dein Partner dir etwas aufträgt, musst du es nicht tun. Nur weil viele etwas machen, musst du es nicht auch.
Du machst es aus freiem Willen. Du handelst so, weil du es möchtest und weil du einen hohen ethischen Anspruch an dich selbst hast. Du gehst vielleicht zu dem Geburtstag, obwohl du lieber was anderes machen würdest, weil du dir wünschst, dass eingeladene Gäste an deinem eigenen Ehrentag auch kommen. Oder weil du die einladende Person sonst noch länger nicht siehst. Oder oder oder..
Wir versprechen uns irgendetwas aus unserem Verhalten. Dann ist es aber die falsche Wortwahl. Wir handeln so, weil wir uns ein bestimmtes Ergebnis aus unserem Verhalten wünschen.
Wenn ich 150kg wiege und abnehmen möchte, muss ich etwas verändern. Es geht immer ein Wunsch voraus, nach dem wir streben.
Diese Erkenntnis hat mich persönlich außerordentlich beflügelt. Ich verstand, dass ich wirklich nur nach eigenen Wünschen handle. Dafür ist niemand verantwortlich - nur ich selbst.
Seitdem ich das bei meinen Klienten wiederholt wahrnahm und sie jedes Mal dafür unterbrach, teilten mir im Anschluss an die Sitzungen unerwartet viele von ihnen mit, dass sie ausgesprochen dankbar dafür sind (außer meine Frau, sie bringt es nur zur Weißglut).
Und das, obwohl ich lange mit mir gerungen habe, Menschen zu unterbrechen, "weil man das nicht macht"..
Erst als ich das regelmäßig wiederholte, verstand ich es wirklich.
Du allein hast die Entscheidung in der Hand. Entscheidest du dich für dich oder entscheidest du dich für andere?